STORIES

1. Jacqueline’s Story
2. Steven’s Story
3. Daniela’s Story

1. EIN NEUER ANFANG AUF BALI

Obwohl es schon über 20 Jahre her ist, erzählt uns Jacqueline ihre Geschichte als wäre es gestern: an einem schönen Morgen im Jahre 1993 findet ihre Nachbarin sie in eine Blutlache! Als sie damals, 33-jährig und Mutter von 3 Kindern mit Gebärmutterkrebs diagnostiziert wird, stand auch schnell fest, dass eine OP zwingend wäre…. Dass es dann – 2 Tage nach Muttertag – zu einer Notoperation kommen würde , war für die junge Taucherin dem ‚Super-Gau’ gleichgestellt!

Wer diese Frau heute hinter ihrer Theke der ‚Swiss Bakery’ in Tulamben trifft, kann sich obige Geschichte nicht gut vorstellen, aber sie stimmt: Jacqueline hat damals zwar einen Riesenschrecken erlebt, aber zugleich war es somit einem ‚Umlegen eines Schalters’, der Anfang eines ‚anderen Lebens’ gleichgestellt.

Es vergingen noch weitere 15 Jahre bis sie ihren Traum ermöglichte, dann aber, in 2009 ist es soweit: nach 3 Jahren am Roten Meer als Tauchguide, packt Jacqueline ihre Koffer und zieht auf die Götterinsel Bali. Dort betreibt sie nun seit einigen Jahren die Villa Tulamben: die Zimmervermietung war erst der Anfang! Geschäftstüchtig und ‚Stehauf-Frauchen’ wie sie ist, nennt sie seit einem Jahr auch das Restaurant Dive-Versions ihr Eigen. Nebenbei und ’nebendran‘ betreibt Sie nun auch noch eine kleine Bäckerei und ist unterdessen in der Regio bekannt für Schweizer Backwaren und hausgemachtes Eis!

Als wir Jacqueline vor 2 Jahren zum ersten Mal trafen, ging es uns wie vielen ihrer Gäste schon zuvor: hier kommt man einfach gerne wieder zurück, auch wenn es genügend lokale Restaurants und herrliche Tauchplätze in Tulamben gibt: Hausgemachte ‚Glace‘, frischgebrühten Kaffee samt Kuchen, Brötchen und Brot wie in der Schweizer Heimat… das gibt es so nur bei Jacqueline.

Swiss Bakery / Dive-Visions Restaurant

Wir konnten nicht ahnen, das Jacqueline selbst mal Krebspatientin war: als sie jedoch von unserem Projekt in der Schweiz erfuhr, liess sie es sich als Taucherin nicht nehmen, sofort ‚Ja’ zu unserem Vorhaben zu sagen. Und so kommt es, dass die blauen Silikon-Armbänder nun auch in Bali erhältlich sind: als Zeichen der Solidarität, frei unter dem Motto, alle Taucher stehen zusammen und jede Spende zählt !

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Wir stehen zwar ständig in Kontakt via Facebook, aber es gibt nichts Schöneres als ein Wiedersehen auf Bali, nicht nur wegen der Tauchgründe, sondern auch die Herzlichkeit und Offenheit womit Sie ihre Gäste verwöhnt, sind einen Grund mehr, immer wieder nach Tulamben zu reisen… Um von feinen Pizzen nur zu schweigen… !

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2. „… am schlimmsten fand ich die Glatze und den Blick auf die Waage…“

Steven Glogger war einer der ersten Stunde. „Dieser Typ ist genauso abenteuerlustig und voller Energie wie du, aber hat vor allem das Herz am richtigen Fleck und kennt ne Menge Leute die das Tauchen gegen Krebs-Projekt weiter voran bringen können!“ So sagte mir ein langjähriger Freund, der Steven seit seiner Kindheit kannte. Als ich ihn via Facebook kontaktierte, sagte er sofort zu mitzuhelfen: Er sei in der IT-Branche tätig, aber schon seit über 20 Jahren in der Taucherwelt unterwegs. Begeistert von unserem Grundgedanken, wollte er tatkräftig am Aufbau unseres Netzwerkes mithelfen. Dieses mal nicht am Virtuellen, sondern auch am ‚Echten’: In seinem Freundeskreis befanden sich sowohl Tauchlehrer, als auch “Wohltäter“! Er wollte im Mai 2014 mit einigen von ihnen eine ‚Auto-Rallye’ bis nach Jordanien unternehmen und somit Spenden und Hilfsgüter zu den dortigen Flüchtlingen überbringen! Hut ab für so viel Engagement, stets unterwegs für die gute Sache!

Steven Glogger 1

Und dann, ein paar Wochen später, erneut eine Nachricht via Facebook. Wir schreiben Ende April 2014, nach einem Tauchgang in heimischem Wasser, merkte Steven, dass etwas nicht stimmte mit einem seiner Hoden. Dies sind seine eigenen Worte und wie damals schon, bekomme ich auch jetzt wieder Hühnerhaut: “… tja, und so wird man selbst aus einem interessanten Thema ein Betroffener. Dienstag wurde bei mir ein Tumor in den Hoden entdeckt und gestern wurde ich operiert. Ich dachte, ich schreibe dir mal aus dem Spital die paar Zeilen… vermutlich hat das Tauchen mir gerade das Leben gerettet. Wäre ich Dienstag vor einer Woche nicht tauchen gegangen, hätte ich den Tumor nicht entdeckt, respektive wäre ich nicht zum Urologen gegangen. Leider war er bösartig (embryonales Karzinom), aber die Chance, dass er komplett entfernt ist, ohne Ableger produziert zu haben, ist sehr gross. In den nächsten Stunden findet ein Ganzkörper-CT-Scan statt, und wenn das Resultat gut ist, kann ich ein sehr grosses Kreuz an die Decke machen… mit dem Treffen Anfang Mai wird’s knapp. Bis morgen früh bin ich in der Klinik, danach hoffe ich, dass ich trotzdem nach Jordanien fahren kann… mal schauen …“

Steven Glogger 3

Tatsächlich fuhr er kurz nach seinem Eingriff an der Allgäu-Orient Rallye im Team der ‚Raiders Of The Lost Camel’ mit, und legte (abseits von Autobahnen und ohne GPS) die über 7500 Kilometer vom Allgäu nach Jordanien zurück. Ein Fondue-Essen in der Wüste und den Besuch im jordanischen Königshaus, nennte er bei seiner Rückkehr als zwei von vielen Höhepunkten! Unterwegs wurden Reis an syrische Flüchtlinge und Spielsachen an arme Kinder verschenkt. Auch die Mithilfe beim Bau einer Jugendbegegnungsstätte in der Türkei wird ihm bestimmt ein Leben lang in Erinnerung bleiben… Undenkbar, dass Steven diesem Wohltätigkeitsabenteuer eine Absage erteilt hätte!

Steven und Kathrin

Als man nach seiner Rückkehr aus Jordanien vergrösserte Lymphknoten feststellte, folgte eine Zeit, die Steven im Kampf gegen den Krebs am schwierigsten fiel: Die Therapie mit Zytostatika und Cortisone. Die Medikamente die in der Chemotherapie eingesetzt wurden, vernichteten zwar die Krebszellen im Körper, aber auch seine Haare gingen verloren. Und durch den Einsatz von Cortisone, war Gewichtszunahme nun eine Tatsache! Es war die Anzeige auf der Waage und seine Glatze im Spiegel, die Steven am meisten störten… Intensives Nachforschen und die Mithilfe einer ihm befreundeten Apothekerin machten klar, dass manche Standardmedikamente der Chemotherapie sich nachteilig auf das Lungengewebe auswirken würden. Weniger empfehlenswert für den leidenschaftlichen Tauchlehrer der Steven auch weiterhin sein möchte! Die Suche nach weiteren Behandlungsschemata mit lungenfreundlicheren Medikamenten hat sich gelohnt, so dass er nun keine nachteiligen Effekte auf seine Lungen zu erwarten hat… und auch die Haarpracht ist unterdessen wieder da!

Steven Glogger 2

Steven war schon als Kind ein grosser Fan von Indiana Jones. So erstaunt es einen nicht, dass er kein Abenteuer, weder in der Wüste noch Unterwasser, scheut. Dass es wie in seinem Fall, bis zu 2 Jahre dauern kann, bevor man von einer definitiven Heilung sprechen kann, nimmt er eher gelassen, aber mit voller Zuversicht an. Er ist sich aber bewusst, dass auch die Unterstützung seiner Freunde und insbesondere seiner Lebensgefährtin – die auch sein Tauchbuddy ist – das allerwichtigste im Kampf gegen den Krebs ist. Wir sind überzeugt, dass er mit seiner Einstellung und Lebenslust auch diese Etappe meistern und bald über neue Abenteuer berichten wird!

3. Alles nur Kopfsache…

Es ist Sommer 2007: Jede 17-Jährige würde wohl die Ferien geniessen, doch Daniela hat praktisch permanent Kopfschmerzen und pilgert verzweifelt vom Augenarzt zum Osteopathen, geht in die Kinesiologie, Physiotherapie und versucht noch diverse andere Konzepte, um ihre Kopfschmerzen weg zu bekommen… Sie will wissen woher die Schmerzen kommen! Anfang Dezember sind die Kopfschmerzen dann so stark, dass sie nicht einmal mehr aufstehen kann. Eines Morgens, beim Versuch aufzustehen, fällt sie vor Schmerz zurück ins Bett. Das Mass ist endgültig voll und ihr Hausarzt organisiert eine Magnetresonanz-Tomographie, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist in ihrem Kopf. Unterdessen ist Daniela ein paar Jahre älter und froh ihre Geschichte selbst erzählen zu können:

Ein MRT? Das ist ja diese Untersuchung, bei der Mann/Frau in einer Art Tunnel-Maschine möglichst still liegen soll. Ich war sehr nervös vor diesem Termin und begann im Internet nach Ursachen für meine Kopfschmerzen zu suchen. Da stiess ich das erste Mal auf eine mögliche Hirntumorerkrankung. Schnell klickte ich die Seite weg. Davon wollte ich nichts wissen! Der Tag nach der MRT-Untersuchung war ich mit meinem Freund in der Stadt, als meine Mutter mich anrief und nach Hause bat. Am Telefon wollte mir meine Mutter nicht verraten, was Sache war. Mit einem sehr mulmigen Gefühl musste ich die 20 Minuten Heimweg mit dem Tram antreten. Schon als ich an der Tramhaltestelle das Gesicht meines Vaters sah, wusste ich, dass etwas Schlimmes vorgefallen war.

Daniela MRI

Meine Eltern erzählten mir, dass der Radiologe einen Tumor mit einer anliegenden Zyste erkennen konnte. Nun war klar: Ich hatte also einen Hirntumor. Im ersten Moment war ich wie gelähmt und wusste nicht, was ich denken sollte. Bereits nach kurzer Zeit hatte ich diesen Schock überwunden und stellte meine Emotionen in den Hintergrund. Für mich gab es lediglich: „Ich habe einen Hirntumor, welcher entfernt werden muss und dann ist alles wieder gut.“
Zuerst hatte ich ein Gespräch mit einem Neurologen im Spital. Ich sollte sogar dort bleiben und wurde auf der Überwachungsstation eingeliefert. In den nächsten Tagen folgten viele Untersuchungen, um sicher zu gehen, dass keine Metastasen vorhanden sind. Die Resultate waren gut, mein Tumor war sporadisch und nicht ein genetischer Defekt. Der Arzt sagte nie etwas zu meiner Prognose, weil er vermutlich darüber auch nicht viel sagen konnte. Dies beschäftigte mich zwar ein wenig, aber hielt mich nicht davon ab, diese Erkrankung sehr rational anzuschauen und negativen Emotionen kaum Raum zu lassen.

 

Daniela 1

Eine Woche vor Weihnachten wurde ich operiert. Das Schlimmste war, dass mir vor der OP auf einem etwa 10 cm breiten Streifen am Hinterkopf alle Haare wegrasiert wurden! Die Operation dauerte etwa 5 Stunden und verlief problemlos, ausser einem kleinen Zwischenfall als ein Blutgefäss platze, wodurch ich etwa einen halben Liter Blut verlor. Doch dies war nicht weiter tragisch. Die folgenden 24 Stunden wurde ich auf der Intensivstation ständig überwacht, anschliessend wurde ich wieder auf die Überwachungsstation verlegt: Es ging bergauf!
Während meines 12-tägigen Spitalaufenthaltes wurde ich jeden Tag von meiner ganzen Familie (Eltern und drei Schwestern) und meinem Partner besucht. Obwohl die Stimmung etwas angespannt war, hatten wir es immer schön und lustig zusammen. Einmal bekam ich eine Situation auf dem Gang mit, bei welcher meine Mutter und meine Zwillingsschwester sich umarmten und trösteten. Sie hatten riesengrosse Angst um mich! Sobald sie aber in meinem Spitalzimmer waren, liessen sie diese Angstgefühle draussen, und gaben mir so viel Kraft wie möglich. Ich werde diese Zeit nie vergessen.
Die Tage nach der Operation verliefen gut. Zwar war ich sehr müde und verlor ich sogar zwei Mal kurz das Bewusstsein. Ich war aber immer gut umsorgt und wurde Tag und Nacht überwacht.
Am Heiligabend durfte ich nach Hause zu meiner Familie und meinem Freund. Für mich war es das schönste Geschenk, Weihnachten mit meinen Lieben zusammen feiern zu können!

Eigentlich sollte ich die ersten paar Wochen nur halbtags zur Schule gehen und mich sportlich nur wenig betätigen. Der Eingriff am Kopf war keine Bagatelle. Aber das war mir schon bald ziemlich egal. Bereits eine Woche später ging ich wieder voll zum Unterricht und machte alles was mir gefiel. Meine Schulkolleginnen und Kollegen bewunderten mich sehr dafür. Zumindest meine rund 20cm lange Narbe habe ich in dieser Zeit geschont.

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Drei Monaten später und auch nach einem weiteren Jahr, lieferten die obligaten Nachuntersuchungen nur gute Nachrichten. Ausser dass ich auf meiner Narbe bei extremer Kälte oder Hitze etwas Spannungen verspüre, gelte ich aktuell als ‚vollkommen gesund und geheilt’.

Es mag komisch erscheinen, aber ich denke gerne an diese Krankheit zurück. Die enge Bindung, diesen Zusammenhalt mit meinen wichtigsten Menschen in meinem Leben, machten diese Lebensphase zu einem gar wunderbaren Erlebnis! Seit dieser Erkrankung bin ich mir viel bewusster, was das Leben für einen Wert hat und versuche nun jeden Tag das Leben zu geniessen, denn man weiss nie wie lange einem soviel Glück gegeben wird!

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